Tages-Wanderung Mühlacker Weg Nr. 8

So., 29.05.2016,

Schwäbischer Albverein Mühlacker und Historisch-Archäologischer Verein wanderten auf dem Mühlacker Weg

Verfasser und Wanderführer: Manfred Rapp

Lienzingen, Schmie, Steinhauer und Sternenschanze

Jedes Jahr ein weiteres Teilstück des Mühlackerweg erwandern.
Diese Devise hatte 2009 Wanderführer Manfred Rapp herausgegeben. Am 29. Mai wurde dieses Jahr die Umrundung mit dem Rundweg Nr. 8 vollendet.

Bei schwülwarmem Wetter starteten 20 Wanderer um 10 Uhr auf dem Kelterplatz Mühlacker. Wie immer hatte der Wanderführer ein Dutzend Infopunkte eingebaut. Man betrachtete so das imposante Sandsteinportal des Brücken-Tunnel-Bauwerks der badischen Eisenbahn von 1864.100 m talaufwärts steht der nächste, fast identische Tunnel diesmal aus Beton. Der wurde in den 1930er Jahren aus eisenbahnstrategischen Erwägungen geschaffen. Die Pforzheimer und Brettener Linien wurden so direkt miteinander verbunden.
Schon an dieser Stelle zeigte sich, wie spontane Beiträge der Teilnehmer die Wanderung hochkarätiger machen: Ein Mitwanderer der Zeitzeuge dieser Baumassnahme ist erklärte, wo für dieses Projekt ein ganzer Hügel abgetragen wurde. sowie über Luftschutzstollen die in Bahndamm und Tunnel eingegraben wurden.

Das Typische und Schöne am Mühlacker Weg ist die Tatsache, dass er den Ort an der Gesamtgemarkungsgrenze umrundet und er deshalb meist verkehrsabgelegen ist. Das macht ihn ruhig und beschaulich, aber auch interessant weil er viele unbekannte Seiten unserer Landschaft aufzeigt.
So das Schönenberger Tal, vor Jahrzehnten knapp der Wegführung einer Ortsumfahrung entgangen, heute eine Idylle. Kaum zu glauben, dass vor 300 Jahren noch bedeutende Fernwege durchführten, wie man auf einer Landkarte von 1693 erkennen kann. So frühe Karten haben wir übrigens deshalb, weil, bedingt durch die Fernverbindungssituation, hier ein bedeutendes Ereignis der Geschichte Mitteleuropas stattfand: Das Treffen von Ötisheim oder auf französisch Combat de Phortsheim am 27. Sept. 1692, die größte Schlacht im Pfälzer Erbfolgekrieg. Dabei wurde die Kaiserlich- Württembergische Reiterei durch ein zehnfach überlegenes französisches Heer aufgerieben. Das Ergebnis war ein stärkeres Zusammenwachsen der Resteuropäischen Bündnispartner und der Bau der Eppinger Linien, ein Sperrwerk mitten durchs heutige Baden-Württemberg. Mit diesen Eppinger Linien sollte die Wandergruppe noch in Berührung kommen.
Nach kurzem Marsch am Fuß der kleinzelligen Sauberg-Weinberge stand die Gruppe am Waldrand neben der Naturschule Araneus, es teilten sich die Wege und es teilte sich auch kurz die Gruppe: Wer tollkühn war und dreckige Schuhe nicht scheute nahm den sogenannten Alten Weg ein wahrscheinlich uraltes Bündel aus über einem halben Dutzend Wegspuren, teilweise viele Meter tief! An diesem Wegstück kann man gut das beschwerliche Reisen im Mittelalter nachempfinden!
Dann hatte man die Höhen des Saubergs erreicht. Dieser den Eppinger Linien vorgelagerte Höhenrücken war im Pfälzer Erbfolgekrieg befestigt. Die imposante Sternenschanze, heute etwas im Wald versteckt, erinnert daran. Auf der Chartaque dem Nachbau eines Beobachtungstürmchens konnten die Wanderer eine überwältigende Aussicht genießen.
Dann ging es dem Waldsträßchen entlang nach Schmie. Durch Baumlücken hindurch ab und zu ein pittoresker Blick auf das Steinhauerdorf und die erste Querung des Eppinger Linien Hauptgrabens.
Für die Mittagspause war die Steinhauerstube gebucht. Dieses Dorfmuseum wurde vom Bürgerverein Schmie e. V. geschaffen. Während die mitgebrachten Vesperbrote verzehrt wurden lauschte die Gruppe der hochkarätigen und kurzweiligen Führung von Herrn Klotz, Förster in Knittlingen und tatkräftiges Mitglied des Bürgervereins. Thema: Eppinger Linien und andere Geländedenkmale, Steinhauerhandwerk im Klosterumfeld. Bei Interesse an Führungen kann man sich an Martin Ehlers vom Stadtarchiv Maulbronn wenden.
ehlers@maulbronn.de.
Weiter ging es auf schönem Aussichtssträßchen Richtung Weinberge. Davor war noch ein sanftes, kleinparzelliertes Tälchen zu passieren. Die Sonne lugte immer wieder durch ausdruckstarke Wolkenbildungen hindurch, beleuchtete türkisfarbene Roggenfelder, Wiesen, Baumgruppen, Wäldchen…
…ein Wäldchen hat es in sich. Es entpuppt sich als aufgelassener Steinbruch. Man taucht praktisch im Herzen des Wäldchens in den geologischen Untergrund ein und gleichzeitig auch in eine märchenhafte Figurenwelt. Diese Figurensteinwand entstand vor über 20 Jahren im Zusammenhang mit einem Klangsymposium der Künstler Sandra und Uwe Fischer. Sie bezeichneten das Werk als Partitur in Stein. Eine stille Oase zum Kraft schöpfen.
Nach sonnendurchflutetem Aussichtsgenuss in den Weinbergen bewegte sich die Gruppe, an zwei Seen vorbei, entlang des schattigen Scherbentalbachs ins Fachwerkdorf Lienzingen. Direkt neben der Wehrkirche im Kirchenburggraben hatten fleißige Helfer Brot, Wasser, Wurst und Wein gerichtet. Kaffee und Kuchen gab´s vom Kaffeehausverein. www.quartier-zur-kirchenburg.de
Nach ausgiebiger Pause im Burggraben, teilweise gemütlich unterm Regenschirm, ging´s schnell zur letzten Etappe, durch den Trinkwald nach Mühlacker zurück.
Dort ist ein imposantes Stück Schanzgraben der Eppinger Linien erhalten. Der Eppinger- Linien- Weg verläuft direkt auf der Wallkrone. Das ist manchmal etwas abenteuerlich, war aber so richtig nach dem Geschmack der Truppe. www.naturpark-stromberg-heuchelberg.de
Kurz vor dem Ende des Waldes endet dieses Schanzgrabenstück. Der Graben steht an dieser Stelle ganzjährig unter Wasser, ein wunderbares Biotop.
Im freien Feld draußen bemerkten auch die Mitwanderer von außerhalb dass sich der Kreis der Wanderstrecke wieder schließt. Mühlacker in Sichtweite. Über den großen Hohlweg Maulbronner Hohle erreichte man die ersten Häuser von Mühlacker. Das Wohngebiet heißt Ulmer Schanz, benannt nach der Ulmer Einheit, die hier vor über 300 Jahren Schanzarbeiten verrichtet hatte.
Angetrieben durch einsetzende Regenschauer erreichten die Teilnehmer noch vor 17.30 Uhr den Ausgangspunkt der Wanderung. Aus dem 17 km langen Rundweg 8 waren durch kleine Anhängsel, der Sehenswertigkeit willen, einige Kilometer mehr geworden. Doch jeder war zufrieden, denn alle, auch die alten Hasen, hatten auf der Wanderung Neues gesehen oder erfahren!

Weitere Informationen finden sie beim Historisch-Archäologischen Verein Mühlacker

Uhrzeit:
Ganztägig


iCalendar


Google Maps

Mit dem Laden der Karte akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Google.
Mehr erfahren

Karte laden

zur Übersicht